Menu
Bernadette Wagner, Luzern

Praxis für gesunde Gelassenheit

Im Fluss



Die besten Jahre erhalten

Mit Redewendungen wie "im besten Mannesalter" oder eine" blühende Zukunft" vor sich haben, verbinden wir die Zeit, in der wir voll im Arbeitsprozess sind. Meist meinen wir damit die jungen Jahre, in denen das ganze Leben noch vor uns liegt und wo wir uns vorstellen können, sportliche, berufliche und persönliche Ziele selbstverständlich zu erreichen. Menschen jenseits der 40 höre ich oft sagen, "wenn ich jünger wäre, so würde ich dies oder jenes noch tun". Hand aufs Herz: Haben Sie das auch schon gedacht? Und welche Jahre bezeichnen Sie selbst für sich als die besten Jahre Ihres Lebens?

Vor wenigen Jahrzehnten noch waren die Ausbildungsmöglichkeiten nicht so vielseitig wie heute. War der Weg für ein Studium - weshalb auch immer - verschlossen, wählte man eine handwerkliche, technische oder kaufmännische Ausbildung. Ebenso wurde noch stärker zwischen frauen- und männerspezifischen Berufen unterschieden als heute. Damals hatten viele Frauen kaum die Möglichkeit, einen Beruf zu lernen, Geld zu verdienen und sich eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen. Dennoch erzählen Menschen dieser Generation von den guten Zeiten, in denen sie einfallsreich waren, von der gegenseitigen Hilfsbereitschaft, von gemeinsamen Erlebnissen und von der Zufriedenheit.

Sozialkompetenz gefragt

Heute sind andere Berufsstandards als damals gefragt. Hohes fachspezifisches Wissen hinsichtlich Prozessen und Produkten wird verlangt, überdurchschnittlich qualifizierte und stressresistente Mitarbeitende werden gesucht. "High Potentials" ist die Bezeichnung dafür. Einfacher ist es dadurch für die meisten von uns nicht geworden. Im Gegenteil, viele leiden unter diesem Druck. Die Balance zu finden zwischen Arbeitswelt und Familien-/Privatleben ist eine wichtige Aufgabe. Die Bildung in Personal- und Sozialkompetenz sollte deshalb ebenso ernst genommen werden wie die Fachkompetenz. Solche Bildung hat den Nutzen, dass der Mensch für sich herausfinden kann, welches seine persönlichen Werte sind und was sein eigenes Wohlbefinden steigert. Wer Zugang zu den eigenen Ressourcen findet, empfindet die aktiven Arbeitsjahre eher als ein Teil der persönlich besten Jahre. Egal, ob ein Teilzeit- oder Vollzeitpensum gearbeitet oder Familienarbeit geleistet wird.

Es ist immer "Jetzt"

Fragen Sie mich, welches die besten Jahre des Lebens für mich sind, dann antworte ich Ihnen mit einem klaren "Jetzt". Damit will ich gar nicht sagen, dass es bei mir im Moment besonders rund läuft. Braucht es auch nicht, sonst gäbe es ja keine Spannung mehr, es gäbe nichts mehr zu lernen oder zu verändern. Und Herausforderungen, auch wenn sie nicht immer willkommen sind, dienen dem persönlichen Wachstum. Was ich damit sagen will ist: Es ist immer Jetzt. Es war gestern, ist heute und wird morgen wieder "Jetzt" sein. Egal, ob Sie berufstätig, jung oder älter, allein, in Partnerschaft oder Gemeinschaft leben. Es liegt an uns, wann unsere besten Jahre sind. Wir selber gestalten sie mit unserer Einstellung zum Jetzt, mit unseren Gedanken und den damit erzeugten Emotionen.

Dürfen statt müssen

Kommt die Zeit, wo wir in die zweite Lebenshälfte aufbrechen, ist es vorteilhaft, sich an eigene Werte erinnern zu können, sie zu überprüfen und eventuell der neuen Situation anzupassen. Wer sich vorbereitet, fällt weniger ins Leere, bewahrt das Gefühl, die besten Jahre fänden "Jetzt" statt, über längere Zeit. Mit dieser Einstellung "müssen" Sie kaum noch etwas, sondern "dürfen" sehr viel. Tun Sie bewusst das, was Sie schon immer tun wollten und nie Zeit dafür fanden. Klingt das nicht gut? Probieren Sie aus, was Sie sich früher nicht getrauten und lächeln Sie darüber, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Nehmen Sie sich Zeit für Hobbys, zum Zuhören, zum... Es sind keine Grenzen gesetzt, ausser denen, die Sie sich selber setzen. Und sollte dennoch der Gedanke aufkommen, die beste Zeit liege hinter Ihnen, dann greifen Sie zur Selbsthilfe. Finden Sie heraus, womit Sie sich selbst oder jemand anderem eine Freude bereiten können. Frischen Sie eine Fremdsprache auf, gehen Sie ins Kino, lesen Sie einmal im Monat einem Blinden vor, begleiten Sie jemanden zum Arzt oder zum Einkauf, gehen Sie mit einem Kind in den Zoo.

"Wenn ich jünger wäre... ", diesen Satz ohne Bitterkeit ausgesprochen, kann sogar Visionen hervorrufen, wie Sie Ihr Leben jetzt freudiger gestalten können. Erlauben Sie sich, in jeder Lebensphase und zu jeder Zeit, das zu tun, was Sie erfreut. Damit möglichst viele Jahre zu Ihren besten Jahren werden.

Zurück zur Übersicht