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Bernadette Wagner, Luzern

Praxis für gesunde Gelassenheit

Im Fluss



Offenheit - Chance oder Gefahr?

Offenheit ist nur einziges Wort. Doch dieses Wort kann auf unzählige Arten verstanden werden. Für manche zeichnet Offenheit vor allem unverbindliche, unstete Menschen aus. Andere verbergen ihre Unsicherheit hinter offenen Aussagen und fragen so versteckt nach Rat. Und wieder andere verstehen Offenheit als Ideologie für ihre eigene Art, wie Welt zu sehen und mit Menschen umzugehen.

Der Grund, weshalb Offenheit so verschieden interpretiert wird, liegt daran, dass sie nicht klar definiert ist. Wir haben in der Schule im Gegensatz zu den Rechtschreiberegeln oder den mathematischen Grundsätzen nicht gelernt, wie Offenheit korrekt vermittelt wird. Deshalb birgt Offenheit nicht nur Chancen, sondern auch Gefahren. Übertreiben wir sie, können wir sogar taktlos wirken. Oder wir verletzen Menschen verbal hinter dem Deckmantel der Ehrlichkeit. Nicht alles unverblümt offen zu sagen, ist eine Form der effizienten Diplomatie. Doch sollten wir auch nicht aus Angst jegliche Offenheit zu vermeiden, denn gemeinsame Ziele werden schneller erreicht, wenn Unklarheiten offen angesprochen werden. Eine weitere Gefahr ist die Offenheit in Bezug auf die Kreativität, denn durch die stetige Ideenproduktion läuft manch einer Gefahr, sich zu verzetteln. Doch ganz ohne Kreativität ist kein Fortschritt möglich. Deshalb gilt, wie schon Paracelsus sagte: "Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist."

Mit mentaler Stärke neutralisieren
Es ist nicht mein Ziel, mit dem Lupetext einen abgehobenen Fachartikel zu schreiben. Vielmehr geht es mir um die Aspekte des Alltags. Auch ich werde regelmässig mit der Offenheit und ihren Aspekten konfrontiert. Beispielsweise, wenn ich spüre, dass ich mich auf ein Treffen nicht freue oder ich Vorbehalte gegenüber Menschen habe. In solchen Situationen versuche ich, die mich persönlich betreffende Offenheit mit mentaler Stärke möglichst neutral zu steuern. Kürzlich erlebte ich so eine Zusammenkunft, die ich mir nicht sehnlichst gewünscht hätte, welche jedoch unumgänglich war. Mit der möglichst neutralen Einstellung gelang es mir, gelassen zu diesem Besuch zu gehen. Und ich erlebte eine riesengrosse Überraschung: Der Umgang von beiden Seiten war derart ungezwungen und so herzlich, wie ich es nie erwartet hätte. Der ausgedehnte Besuch hinterliess bei allen Beteiligten ein Gefühl von Zufriedenheit und Freude.

Echtheit zelebrieren
Offenheit ist auch die Grundlage für weitere Eigenschaften, die wir an anderen meist schätzen: Zugänglichkeit, Echtheit, Glaubwürdigkeit, Natürlichkeit, Korrektheit, Spontaneität, Direktheit und Ehrlichkeit wirken anziehend und belebend. Oder anders ausgedrückt: Ertappen wir nahestehende Menschen beim lügen, betrügen oder intrigieren, so empfinden wir das als abstossend. Offenheit beeinflusst also tagtäglich und in erheblichem Masse unsere Beziehung zu anderen. Und kann unsere Lebensqualität massgeblich erhöhen. Denn mit den Worten von Konfuzius ausgedrückt: "Wenn die Worte nicht stimmen, dann kann man in seinen Aufgaben keinen Erfolg haben, dann können Ordnung und Harmonie nicht blühen." Echtheit und Natürlichkeit werden gemäss Befragungen in unserer Gesellschaft immer wichtigere Werte. Auch Unternehmen und die Werbebranche entdecken diese Grundlagen des Vertrauensaufbaus für Ihre Zwecke neu und besinnen sich vermehrt auf offene, glaubwürdige Kommunikation. Damit grenzen sie sich für unser Empfinden angenehm positiv von anderen ab. Wie die offenen, echten Menschen, denen wir im Alltag gern begegnen.

Offenheit trainieren
Es lohnt sich also - für uns selbst und auch für unsere Umwelt - mehr Offenheit ins Leben zu holen. Investieren Sie regelmässig etwas Zeit, um den konstruktiven Umgang mit Kritik, eine sachliche und emotionale Offenheit sowie die Dialogbereitschaft mit sich und mit andern zu üben. Verzweifeln Sie nicht, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Wie gesagt, werden diese Fähigkeiten leider nicht in der Schule unterrichtet, wir müssen sie uns also laufend selbst aneignen. Die ersten Schritte dazu sind beispielsweise Übungen, bei denen man sich in sein Gesprächsgegenüber hineinzuversetzen versucht. Dafür sind gutes Hinhören, Flexibilität und Akzeptanzvermögen, eben Offenheit im weitesten Sinne nötig. Auch mit einer aufrechten Körperhaltung können Sie mehr Offenheit signalisieren und dadurch schlussendlich auch zu mehr Offenheit gelangen. Freuen Sie sich jetzt schon auf die angenehmen Überraschungen, die auf Sie warten.

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