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Bernadette Wagner, Luzern

Praxis für gesunde Gelassenheit

Im Fluss



Wenn Schuljahr und Ausbildung mit Prüfungsstress enden

Jetzt ist es wieder soweit. Der Schulabschluss auf allen Stufen naht und in den nächsten Wochen wird geprüft, qualifiziert, bewertet oder benotet. Manche Schulkinder und Lernende sind sich ihrer Sache sicher und können diesen Tests ruhig entgegensehen. Bei anderen wiederum entstehen angstauslösende, unangenehme Gefühle beim blossen Gedanken an die bevorstehende Prüfung.

Bei Prüfungsangst wurden oft vergangene unangenehme Erfahrungen einer oder mehrerer Tests verfestigt. Die Erlebnisse entwickeln sich dann weiter zu einer Erwartungsangst. Einzelne Prüflinge sind deshalb bereits im Vorfeld eines Tests übernervös. Andere neigen während der Prüfung zu Blackouts. Beide Gruppen reagieren auf die als unkontrollierbar empfundene Prüfungssituation mit körperlicher Angst. Dabei wäre es sicher wünschenswert und wichtig, die Prüfungsangst so zu verringern, dass an deren Stelle eine gesunde Aufmerksamkeit tritt.

Aufregung mobilisiert Energien

Wie aber kann die Fähigkeit, besser mit solchen Belastungen umzugehen, erlangt werden? Es hilft zu wissen, dass ein gewisses Mass an Aufregung und Angst in Prüfungs-Situationen normal ist. Das mobilisiert Energien. Wir werden in einen Zustand höchster Aufmerksamkeit versetzt und können so die gestellten Aufgaben bestmöglich erfüllen. Rührt die Versagensangst jedoch aus Unsicherheit oder aus geringem Selbstvertrauen bezüglich der eigenen Leistungsfähigkeit ist Hilfe von aussen angezeigt. Ebenso ist es ratsam Hilfe zu beanspruchen, wenn eine generelle Neigung zum Perfektionismus besteht. Die an sich selber gestellten, unverhältnismässig hohen Ansprüche und Erwartungen lösen oftmals massiven Stress aus. Besprechen Sie das Thema mit der Lehr- oder mit einer Beratungsperson. Denn bereits das Erkennen des Problems löst Blockaden und hilft Ruhe und klares Denken zu vermitteln.

Wissensdurst statt Lethargie

Eltern oder Lehrpersonen kennen indes auch ein anderes Phänomen, nämlich das der Lethargie gegenüber Prüfungen. Dies beobachten Lehrpersonen in neuerer Zeit häufiger. Die gespielte Gleichgültigkeit und das fehlende Interesse werden oft als Widerstand missverstanden. Es ist also ratsam, wenn Lernende ihren Angst- oder Lethargiezustand verlassen und wieder mehr Wissensdurst an den Tag legen. Lehrpersonen empfehlen den Lernenden, bei Unklarheiten unverzüglich nachzufragen. Wichtig sei, die Angst vor dem Fragen zu verlieren. Lehrpersonen wird geraten, mit den Schülern oder Studierenden im Vorfeld das Prüfungsvorgehen zu besprechen und sie zu ermutigen, auftretende Schwierigkeiten mitzuteilen. Grundsätzlich unter die Lupe zu nehmen ist auch die Fehlerkultur der Ausbildungsstätten. Wir alle wissen, dass aus Fehlern gelernt wird. Das kenne auch ich aus eigener Erfahrung. In einer Weiterbildung verpasste ich selber einen Qualifikationsschritt. Meine Verunsicherung und Enttäuschung waren riesig. Der Experte erklärte mir genau und an Beispielen, was gut war, was ich nicht erfüllt hatte und er gab mir konkrete Angaben, wie ich mich verbessern kann. Das half mir zu verstehen und den zweiten Durchgang ohne Scham oder Groll vorzubereiten. Bei diesem zweiten Anlauf klappte es und ich bin sicher, dass ich gerade durch das erste Unvermögen in diesem Bereich Expertenwissen aufbauen konnte.

Ursachen kennen

Wissen zu verinnerlichen und zur richtigen Zeit abzurufen hat auch damit zu tun, ob es für uns bedeutsam ist. Es gibt Fächer, zu denen man schwer persönlich Zugang findet. Dennoch muss auch dieser Stoff gelernt und geprüft werden. Versuchen Sie der Ursache auf den Grund zu gehen, wenn Sie bereits während der Lernphase Widerstand oder Angst empfinden. Allein schon damit können Sie etwas verändern und Druck wegnehmen. Bei erwachsenen Personen ist häufig die Scham vor dem Versagen ein Stressfaktor. Sicher ist es ärgerlich, eine Prüfung zu verpatzen. Denken Sie aber dran, dass auch Genies nicht immer alles auf Anhieb gelingt. Lernen Sie sich zu entspannen und bauen Sie Ihre mentale Stärke auf, indem Sie sich vorstellen, wie Sie Ihr Bestes geben. Schulkinder werden in der Regel von den Lehrpersonen gut auf die Prüfungen vorbereitet. Eltern können die Kinder am meisten unterstützen, wenn sie mit ihnen über die Situation sprechen und sagen, dass Prüfungen nur dazu da sind, um Lernfortschritte aufzuzeigen.

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